Keine 45 Fahrminuten von München mitten im oberbayerischen Fünfseenland findest Du den Wörthsee. Mit etwa 3,7 Kilometern Länge und knapp 10 Kilometern Umfang ist er mit Sicherheit nicht der größte bayerische See. Doch gerade darin liegt der Reiz: An einem Nachmittag kannst Du ihn nämlich gemütlich umwandern. Für die 12 Kilometer lange Wanderung um den Wörthsee brauchst Du keine 3 Stunden ‒ es sei denn, Du gehst ausgiebig Baden, erkundest das Bacherner Moos und bleibst häufig stehen, um die vielfältige Architektur am Ufer des Wörthsees zu bestaunen. In diesem Fall machst Du am besten einen Tagesausflug zu einem der reizvollsten Ausflugsziele in Oberbayern.

Der Wörthsee – Einer von 5 Seen im Fünfseenland

Das Fünfseenland liegt im bayerischen Alpenvorland. Ich mag diesen Namen „Fünfseenland“. Er zeigt mir wieder einmal, wie viele Gedanken sich die Menschen weltweit beim Benennen von Orten gemacht haben. Genau wie die Spanier nennen auch die Bayern ihre Städte gerne entweder nach religiösen Dingen ‒ oder danach, was sie an den jeweiligen Orten vorfinden. In diesem Fall sind das fünf Seen, die diese oberbayerische Region krönen: Ammersee und Pilsensee, Starnberger See, Weßlinger See und eben der Wörthsee, um den wir beide heute herumwandern werden.

Badeparadies am Wörthsee

Das Autochen chillt im Schatten großer Bäume auf dem kostenfreien Parkplatz des Erholungsgebiets Oberndorf an der Westseite des Wörthsee.

Guck, von hier aus starten wir auf dem Rundwanderweg Wörthsee in Richtung Norden.

Hier sind wir direkt im Erholungsgebiet Oberndorf. Das öffentliche Seebad erstreckt sich über eine saftig grüne Wiese mit riesigen, alten Bäumen, die sich bis hinunter ans Wasser ziehen. Auf einem Trampelpfad überqueren wir die Liegewiese und stoßen unten auf den Wörthsee Rundwanderweg, der hier entlang dem Wasser führt.

Hier kannst Du im Sommer vor oder nach Deiner Wanderung um den Wörthsee übrigens ganz wunderbar Baden gehen.

Doch bevor wir tatsächlich loslaufen ziehe ich Dich auf einen der langen Holzstege, die hier weit in den Wörthsee hineinragen. Der See ist nicht nur einer der schönsten, sondern auch der saubersten bayerischen Badeseen. Er wird Großteils vom Grundwasser gespeist, was Schwimmern das ganze Jahr über eine hervorragende Wasserqualität garantiert. Von besagtem Steg aus kann man ganz prima Baden gehen. Oder auch einfach nur dort Sitzen und das herrliche Seepanorama genießen. Ganz nach Lust, Laune und Wetterlage.

Die Augen versinken im türkisblauen Wunderwerk des Wörthsee, das die Natur geschaffen und heute mit feinsten Schäfchenwolken garniert hat.

Wir beide nehmen uns jedenfalls vor, erst nach dem Rundwandern schwimmen zu gehen. Erst die Wanderung, dann noch mehr Vergnügen. Oder so.

Los geht’s mit der Wanderung um den Wörthsee

So schreiten wir auf dem mit feinen Kies bedeckten Wanderweg kräftig aus. Durch die Büsche leuchtet uns immer wieder das kräftige Türkisblau des Seewassers entgegen. Dann ändert sich der Weg und führt, von Baumwurzeln durchzogen, durch einen Mischwald mit majestätischen Eichen bis nach Bachern. Hier finden wir einen kleinen Privathafen (Achtung: Eintritt verboten!) mit einem Bänkchen, das sich ein wenig im Halbschatten versteckt.

Vom Hafen aus beobachten wir ein wenig die Wörthsee-Saiblinge beim Schwimmen (oder so behauptet es Google, als ich es nach verschiedenen einheimischen Fischsorten befrage).

Als wir durch die Ortschaft Bachern laufen, dämmert mir: Das wird keine klassische Seerundwanderung direkt am Wasser ‒ beziehungsweise nur abschnittsweise. Denn das Ufer des Wörthsee ist von Privatgrundstücken gesäumt, auf die der Ottonormalwanderer keinen Zutritt hat. Dafür überrascht diese Wanderung um den Wörthsee mit abwechslungsreichen Gebäuden: von der modernen, vollverglasten Luxusvilla, über verschindelte Altbauten bis hin zu umgebauten Bootshäusern ist die Architektur am Wörthsee ebenso vielseitig wie sehenswert. Natürlich findest Du in diesem Artikel nur Fotos von schnuckeligen Hexenhäuschen. Die Luxusbuden bewundern wir zwar, fotografieren sie jedoch nicht…^^

Das ist übrigens mein persönlicher Sommerhaus-Traum: Ein umgebautes Bootshaus direkt am Wörthseeufer mit eigenem Steg. Was ich hier alles schreiben könnte? Bei gutem Wetter draußen vor dem Häuschen, bei schlechtem Wetter mit einer heißen Tasse Tee aus dem Panoramafensterchen guckend… Und Du könntest mich besuchen. Wäre doch was!

Während wir beide so über meine Tagträume philosophieren, wandern wir noch ein Stück weiter.

Über blühende Wiesen ins Bacherner Moos

Hinter Bachern sind die Gräser auf den Wiesen in voller Blüte. Im Wind wiegen sie sich sanft hin und her ‒ und ich spaziere niesend und schniefend durch die Gegend. Danke Heuschnupfen und Gräserallergie! Doch der Anblick der saftig grünen Wiesen, die sich über die Ebene erstrecken, lenkt mich effektiv ab.

Wir folgen diesen goldfarbenen Schildern, die uns die gesamte Wanderung um den Wörthsee herum begleiten.

Einige Schritte später treten wir ‒ wie durch ein Tor im Unterholz ‒ ein ins Bacherner Moos. Im ersten Moment fühle ich mich wie im Dschungel (minus die krasse Luftfeuchtigkeit plus den Heuschnupfen). Durch dieses Flachmoos führt ein schmaler Holzweg, der mich stark an den Bohlenweg im Murnauer Moos erinnert. Links und rechts davon wuchert auf feuchtem Grund ein regelrechtes Dickicht an Bäumen, Gräsern und Sträuchern.

Als es sich lichtet und wir wieder auf „festem“ Boden stehen, wird der Wanderweg kurzzeitig zu einem großen Trampolin: der Moorboden ist hier derart elastisch, dass er richtiggehend schwingt, wenn man auf ihm hüpft.

Ein Schild kündet den Moorboden als „empfindlich“ an. Ich hingegen würde ihn eher als kurzweilig, elastisch oder boing-boing bezeichnen. Gut, dass mich niemand fragt!

Und natürlich hüpfen wir beide darauf herum, kichern ein wenig albern – und wandern gut gelaunt weiter.

Über die Felder nach Steinebach am Wörthsee

Wir lassen das Moorgebiet hinter uns und unser Wandern am Wörthsee führt wieder über offene Felder mit Blick über die saftige Voralpenlandschaft.

Über unseren Köpfen ziehen Wolken hinweg, die so langsam immer dunkler zu werden scheinen…

Wir durchwandern ein Strandbad am Ortseingang der Ortschaft Walchstadt, an dem sich viele Familien versammelt haben. Auch ein kleiner Kiosk bietet den Badenden Fingerfood und Getränke an. In Steinebach am Wörthsee angekommen erledige ich für dieses Foto erstmal eine herkulische Aufgabe (Der arme Sisyphos!).

Diese große Skulptur aus verrostetem Metall ist Teil des Skulpturenweg Wörthsee, der das Nordufer des Sees schmückt.

Immerhin werde ich dafür vom Rundwanderweg aus mit einem fantastischen Seepanoramablick belohnt.

Standup-Paddling wäre auch mal wieder schön…

Päuschen und ein windiger Rückweg

An schnuckeligen Bootshäusern vorbei wandern wir weiter auf dem Rundweg, als der Himmel sich immer weiter zuzieht: graue Wolken werden zunehmend dunkelgrau, der Wind frischt ordentlich auf.

Wie fies, da wir doch gerade an unserem Rastpunkt angekommen sind: Il Kiosko ist ein klitzekleines Stück Italien am Wörthersee. Der Duft nach leckerer Pizza und Pasta liegt in der Luft. Wir entscheiden uns jedoch aufgrund der Wetterlage dafür, nur eine Kleinigkeit zu trinken.

Prösterchen!

Ein wenig bibbernd beschleunigen wir für den restlichen Rundweg unsere Schritte. Der Wind wird immer stärker und unsere Wanderung um den Wörthsee trägt uns an immer mehr Wellen vorbei.

Fotogen und gleichzeitig brrrr kalt!

Kurz bevor wir wieder zum Parkplatz kommen, folgt unser Wanderweg noch ein kurzes Stück einer ganz schön viel befahrenen Straße (Achtung!), bevor er nach diesem Schilderwald wieder rechts in das Erholungsgebiet Oberndorf einbiegt.

Knapp drei Stunden, nachdem wir losgelaufen sind, kommen wir nach unserer Wanderung um den Wörthsee wieder am Auto an. Steigen ein und schmeißen erstmal die Heizung an. Der Gedanke ans Baden im See? Vergessen. Oder zumindest verschoben aufs nächste Mal.