Viele hundert Meter fallen am Ponta do Tristão die grünen Steilklippen ins brodelnde Meer. Um an den (fast) nördlichsten Punkt von Madeira zu kommen, fahren wir im Dorf Santa immer weiter in Richtung Norden – und der Ausblick, der uns hier erwartet, ist den kurzen „Umweg“ allemal wert.

Ab nach Santa – und dann zum Ponta do Tristão

„Santa“ lese ich auf dem Ortsschild, als ich die Straße von Porto Moniz nach Achadas da Cruz entlangfahre, stupse Dich an und beide kichern wir ein wenig weihnachtlich.

(Neu hier? Wir, fragst Du Dich? Ja, ich habe die gute Angewohnheit, meine Leser gerne mit in meine Abenteuer einzubeziehen. Dir geht das zu schnell? Lerne mich doch mal kennen – und entscheide dann, ob Du mit mir losziehen magst.)

Durch den Ort hindurch – so gebietet es unsere Navigation – und dann auf sich windenden, winzigen Sträßchen immer weiter bergab und in den Norden Richtung Punta do Tristão. Ländlicher, ursprünglicher und gleichzeitig touristenärmer als in und um Santa wird es wohl nicht mehr werden auf Madeira.

In nur einem meiner immerhin drei Reiseführer wurde in einem Nebensatz der nördlichste Punkt der Insel, der Punta do Tristão, erwähnt. Nachdem wir nun schon öfter hier vorbeigefahren sind und genau aus dieser Richtung die Sonne herausspitzelt entscheiden wir, heute einmal hinunterzufahren und ihn uns anzusehen.

Die Straße windet sich am Schluss durch hohes Schilfgras und verbreitert sich dann plötzlich rechterhand zu einem Parkplatz. „Ab hier bitte zu Fuß weiterlaufen,“ sagt das Navi – und ich gehorche ganz brav.

Den Berg runter, aber bitte keinesfalls zu weit

Unsere Wanderstiefel fest geschnürt starten wir in Richtung Pfad und ich drehe direkt nochmal um, um meine Wanderstöcke zu holen. Denn es hat die letzten Tage geregnet, der Boden ist feucht und rutschig. Und ich hänge an meinem Leben.

Nach wenigen Treppenstufen stoßen wir auf einen sehr schmalen, unbefestigten Pfad. Dahinter geht es auf sehr direktem Weg sehr tief nach unten. Ich packe meinen Stock fest mit der Hand und ramme ihn ordentlich in den rötlichen Erdboden, dann geht es ganz gut.

Ich blicke nach links und halte mich gut an meinem Stock fest, denn hier oben bläst ein ordentlicher Wind. Kannst Du glauben, wie unfassbar schön es hier am Ponta da Tristão ist? Ich nicht. Da fehlen sogar der Texterin schlicht die Worte… Zum Fotografieren und fürs Selfie gehe ich sicherheitshalber in die Hocke. Denn freihändig stehend wird es selbst mir hier ein wenig schwindelig.

Wir laufen auf dem schmalen Weg weiter nach rechts. Wenige Meter später suchen wir uns ein relativ ebenes, stabiles Plätzchen, um diese Aussicht zu genießen. Und die ist auch hier drüben einfach nur spektakulär.

Was meinst Du? War der Abstecher es wert? Ich persönlich feiere diesen abgelegenen Ort, den Punta do Tristão, der sich mit seiner rauen Schönheit ein Plätzchen in meinem Reise-Herzen verdient hat.