Nach einem ganzen Tag akuter Faulenzeritis packt mich heute so richtig die Lust darauf, mein Auto zu satteln und einen Ausflug zu machen. Es hat 26 Grad und strahlenden Sonnenschein – auf der gesamten Insel. Und das ist gerade im Osten La Palmas keine Selbstverständlichkeit: Auf der Wetterseite der Insel ist es oftmals bewölkt und windig. Ein super Grund, mich heute aufzumachen in den Nordosten. Hier liegen nämlich San Andrés und, gleich nebenan, die Meerwasserschwimmbecken von Charco Azul.

In einer guten Stunde habe ich die Insel einmal überquert: Meerblick und Bergblick wechseln sich ab. In Kurven schlängelt sich die Straße bergauf, bergab, durch Tunnels hindurch. Mein Mietautochen liegt gut auf der Straße und sicher in den Kurven. Zusammen mit spanischsprachiger Gute-Laune-Musik macht die Fahrt eindeutig Spaß. Das inoffizielle Motto von La Palmas Straßennetz lautet meiner Meinung nach: alle Wege führen durch Santa Cruz de La Palma. Will ich in den Osten – egal ob Nord oder Süd – komme ich nicht an der palmerischen Hauptstadt vorbei. Oder halt eben gerade doch. Und mit solch hochwichtigen Überlegungen im Kopf lande ich schon wenig später in San Andrés.

La Palmas San Andrés – Bergdörfchen mit karibischem Flair

San Andrés ist in den Hang gebaut. Das merke ich spätestens, als ich mein Auto auf einer so abschüssigen Straße parke, dass ich die Erfindung der Handbremse auf einmal ganz neu zu schätzen lerne. (Und beim Zurückkommen aktiv erleichtert bin, dass sie den Wagen an Ort und Stelle gehalten hat.) Das 300-Seelen-Dorf besteht aus einigen engen Gassen, die ich in nur wenigen Minuten erkundet habe. Hier stehen typisch palmerische Häuser mit bunten oder weißen Fassaden, durchbrochen von schwarzen Natursteinen. In jedem Garten stehen Bananenpalmen, wie bei uns Apfelbäume.

La Palma Bananen sind eines der wichtigsten Exportprodukte der Kanareninsel
Bananen sind eines der wichtigsten – und leckersten – Exportprodukte der Kanareninsel

In der Mittagshitze ist den Straßen von San Andrés nicht viel los, das Dorf hält Siesta.

Bunte Häuser im palmerischen Stil schmücken die Gassen von San Andres La Palma
Bunte Häuser im palmerischen Stil schmücken die Gassen von San Andres
Blick über San Andres y Sauces auf den Atlantik
Die Kirche San Andrés Apóstolo steht hier schon seit 1515

Auf der zentralen Plaza steht eine gedrungen wirkende Kirche im kanarischen Stil, mit weiß getünchten Wänden, von denen sich die schwarzen Lavasteine sichtbar abheben. Eigentlich ist die Iglesia San Andrés Apostól immer geschlossen, außer zum samstäglichen Gottesdienst. Heute jedoch sind alle Türen der ältesten Kirche La Palmas weit geöffnet: Es findet gerade eine Messe statt. Natürlich stecke ich neugierig den Kopf hinein – und ziehe ihn schnell wieder zurück. Denn trotz sehenswerter Sakralkunst und hölzerner Kassettendecke will ich die Gläubigen nicht in ihrer Andacht stören.

Dorfplatz in La Palma San Andres
Gemütlich sitzt man hier und speist: die Plaza von San Andrés

Nur wenige Meter weiter geht das Leben lautstark weiter: Die beiden Restaurants am Platz bewirten zahlreiche spanische Großfamilien. Man hat sich unter dem Schatten der hohen Palmen zusammengefunden an diesem Feiertag und lässt es sich gut gehen. Ich für meinen Teil schlendere weg von dem fröhlichen Trubel, treppab, bergab, in Richtung Norden.

Spaziergang von San Andres nach Charco Azul

Ein charmanter Fußweg führt von San Andrés nach Charco Azul. Zunächst durch Häuser und Bananenplantagen.

Bananenpflanzen gehören hier zum Landschaftsbild, wie bei uns Thujahecken oder Apfelbäume

Danach flaniere ich etwa 20 Minuten die Steilküste entlang – und bleibe dabei immer wieder stehen: gleißend weiße Gischt prallt sprudelnd auf rabenschwarze Lavaklippen, im Hintergrund erstreckt sich das tiefblaues Meer bis zum Horizont.

Der Weg von San Andrés nach Charco Azul führt direkt an der Küste entlang
Einfach zu schön, um wegzuschauen.

Den Weg habe ich ganz für mich allein. Oder so denke ich. Denn alle paar Meter raschelt es, mal rechts und mal links – und zwei Seelchen erschrecken: eine kleine Eidechse und eine größere Monika. Jedes Mal wieder. Wir schreckhaften Wesen…

Die letzten paar Meter nach Charco Azul nehme ich Dich direkt mit:

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Das ging jetzt aber schnell. 😉

(Und ja, ich habe ein neues Bildaufnahmegerät. Ja, ich spiele gerne damit herum. Und nein, ich gelobe keine Besserung.)

Die Meerwasser-Schwimmbecken von Charco Azul

In Charco Azul hat der Atlantik natürliche Schwimmbecken in die schwarze Lava La Palmas gegraben. Der Mensch hat dem Ganzen Trennmauern als Wellenbrecher hinzugefügt, außerdem Plattformen mit Sonnenschirmen und ein Kinderbecken – und fertig ist eine Badeanlage, die ihresgleichen sucht. Auf La Palma gibt es zwar mehrere natürliche Schwimmanlagen. Charco Azul ist jedoch mit Sicherheit eine der schönsten. Sicheres Baden, während nur wenige Meter weiter die Brandung des Atlantiks mit voller Wucht gegen die Felsen schlägt, hat seinen Reiz.

In den Meeresschwimmbecken von Charco Azul Eintritt frei
Die Anlage besteht aus einem großen Schwimmbecken und einem Kinderbecken

Auch bei den Palmeros ist Charco Azul sehr beliebt: Dank des heutigen Feiertags höre ich um mich herum nicht wie sonst überall Deutsch, sondern richtig viel Spanisch. Ich sauge es auf und hoffe, dass ich es irgendwann – ganz bald – wieder aktiv abrufen kann.

Der Eintritt in Charco Azul ist übrigens kostenlos. Umkleiden, Toiletten und ein nettes Restaurant findest Du ebenso vor Ort. Nur etwas Weiches fürs unter den Popo legen kann ich Dir empfehlen, weil die Lavaböden auf Dauer ein wenig unbequem werden können.

Menschen baden auf La Palma in Charco Azul
Ob ganz vorne am Wellenbrecher oder weiter hinten im Becken – Charco Azul ist ein Ausflugsziel für Urlauber jeden Alters

Nachdem ich mich glücklich gebadet habe, trete ich mit einem Lächeln auf den Lippen den Rückweg nach San Andrés an.

Es ist ein kurzer Weg von Charco Azul nach San Andrés
Irgendwie ist der Rückweg genauso schön, wie der Hinweg – nur anders…

Im Vorbeigehen grüße ich freundlich einen älteren Herren, der auf einer Holzbank sitzt und bedächtig seine Zigarre pafft. Im Gespräch verrät mir Andrés (ohne das San, wie er extra betont ;), dass sein Sohn in Stuttgart wohnt. Und dass er Deutschland toll findet. Da sind wir uns einig, ich ja auch. Nur im November ziehen wir beide irgendwie La Palma vor.