La Bombilla ist ein kleines, verschlafenes Nest im Südwesten der Kanareninsel La Palma. Warum sich mein Abstecher dahin trotzdem rentiert? Dorfleben und Dinosaurier-Eier, wilde Strände, ein moderner Leuchtturm, Graffiti und natürlich Bananenplantagen. Überall Bananenplantagen .

Karte La Palma La Bombilla

Eigentlich, ja ganz eigentlich, wollte ich heute mit Dir in die Caldera im Inneren der Insel. Doch als ich losfahre, hängt in Richtung Osten eine dunkelgraue Wolkenwand am Himmel. Und so entscheide ich mich spontan um und fahre von Tazacorte aus in Richtung Süden. Jedoch nicht allzu weit. Auf der Straße in Richtung Puerto Naos sehe ich nach etwa 15 Minuten Autofahrt in einer Kurve ein Schild: „La Bombilla“ steht da. Ich setze den Blinker und biege scharf rechts ab.

La Bombilla – „authentisches“ Dorfleben auf La Palma

Eine kleine Straße führt mich hoppeldihoppel in das klitzekleine Örtchen: Ich parke mein Auto am Strand von La Bombilla. Und dieser Strand ist nicht zu verfehlen. Nur ein Blick und ich weiß genau, was mein Papa gemeint hat, als er gemeint hat: „Park doch bei den Dinosaurier-Eiern.“ Voller Verzücken hüpfe ich mitten rein und balanciere hochkonzentriert in Richtung Meer. Wie mit riesigen Murmeln spielt die Brandung, es reibt, scharrt und klackert im Takt der Wellen.

Playa de la Bombilla auf der kanarischen Insel La Palma
Hinter den Dinoeiern und dem großen Felsen liegt das bunte Dorf La Bombilla

Im verschlafenen Dörfchen La Bombilla scheint die Zeit still zu stehen. Winzige, schnuckelige Häuschen kuscheln sich bunt aneinander. Geteerte Straßen? Geschäfte? Gehwege? Fehlanzeige! Stattdessen ein älterer Señor, der an seiner Zigarre nuckelt, während er Täubchen füttert. Kinder, die Rad fahren. Ein leerstehendes Fußballfeld aus schwarzem Sand. Viel los ist hier nicht. Ich habe immer wieder den Eindruck, mich irgendwo in der Karibik zu befinden. Denn das Leben sieht hier so bunt, so lässig und gleichzeitig auch recht ärmlich aus. Reich sind die Insulaner nicht. Hier sehe ich das Dorfleben, ein „authentischer“ Einblick in ein La Palma abseits von Touristenscharen und Reisebussen. Authentisch, soweit ich das als Touristin beurteilen kann. Klein und heimelig in seiner Einfachheit.

Authentisch La Palma La Bombilla
Tauben füttern scheint ein international verbreitetes Hobby zu sein. Dieser ältere Herr tut es jedenfalls mit Stil, Charm und Strohhut.
Dorfidylle in La Bombilla
Das palmerische Dorf La Bombilla ist sehr charmant
Für karibisches Flair sorgen unter anderem die bunten, klitzekleinen Häuser.
Authentisches La Palma in La Bombilla
Man muss nicht reich sein, um es sich schnuckelig zu machen.

Erleuchtete und wilde Strandwanderung

Immer an der Küste entlang geht meine heutige Strandwanderung. Das ist mal besser machbar und mal führt mich mein Weg wieder quer durch die allgegenwärtigen Bananenplantagen. Als ich um die Ecke biege, empfängt mich zunächst der Wind, der heute für die Westseite recht heftig und kühl weht. Und dann der Blick auf den Leuchtturm Faro de Punta Lava: „erst“ seit 1993 steht er hier, verrät mir die Inschrift. Trotzdem ragt er nochmal um einige Meter höher in den leicht bewölkten Himmel als sein Pendant in Fuencaliente.

Leuchtturm La Bombilla Faro de Punta Lava
Bei blauem Himmel strahlt heute nicht nur der Leuchtturm in La Bombilla 😉

Vorbei am Faro will der Weg schon enden. Das kann ich natürlich nicht akzeptieren und klettere ein wenig abenteuerlich über ein Tor. Hiermit bin ich dann wohl offiziell in eine Bananenplantage eingebrochen. Ups. Immerhin wird meine Abenteuerlust schon wenige Meter weiter direkt belohnt: mangels Wänden zieren Graffitis und Stencils hier einige der metallenen Türen.

Stencil Streetart La Palma
Man findet auf La Palma alles in einer Bananenplantage: Bananen, Häuser, mich, wenn ich mich mal wieder verfahren habe – und sogar Graffiti

Als mich die Bananenplantage wieder ausspuckt, stehe ich am Playa el Charcón. Der „magere“ Strand, wie ihn die Palmeros getauft haben, ist wildromantisch. Für meinen persönlichen Badegeschmack überwiegt jedoch das wild und ich wandere weiter.

La Palma Playa el Charcón
Schwarze zerklüftete Lavafelsen prägen das raue Bild des Strandes Playa el Charcón

Playa los Guirres: Dinoeier, mehr Graffiti und Steine sammeln

Als der Weg etwas später verdächtig zivilisiert wird und schließlich in einen untypisch perfekt betonierten Pfad mündet, merke ich, wohin der Hase läuft: an die Playa los Guirres. Man kann diesen Strand anscheinend auch per Auto erreichen – und entsprechend erwarten mich hinter der nächsten Bananenplantage in einem Strandcafé schon einige deutsche (?) Rentner. Alles klar.

La Palma Playa los Guirres
Ball spielen darf man offensichtlich nicht an der Playa los Guirres – sowas Dummes aber auch…

Mir ist jedoch nicht nach einem Heißgetränk. Vielmehr habe ich weiter hinten noch mehr Dinosaurier-Eier entdeckt und – fast genauso gut – ein weiteres Stück Streetart. So ganz ohne Straße. Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, von Dinoei zu Dinoei zu hüpfen, zwischendurch Steine zu sammeln – und ein Paar nackt badende Menschen zu erschrecken, weil ich steinesammelnd zu nahe an ihrer Tasche vorbeilaufe. Es ist ziemlich witzig, wenn ein nackter Mensch mit den Armen wedelnd im Wasser auf und ab hüpft, um zu gestikulieren, dass ich bitte ja ihr Zeugs in Ruhe lassen soll. Die palmerischen Hippies sind anscheinend etwas unentspannt…

Die Playa los Guirres ist ein wilder Strand im Südwesten von La Palma
Auch auf diesem Weg herrscht Sandkasten-im-Schuh-Gefahr – jedoch ist es nicht so tragisch, wie beim Wandern auf dem Vulkan
Street Art La Palma La Palma Playa los Guirres
Keine Straße weit und breit – dafür aber Streetart on the beach.

Badeversuch und der Rückweg nach La Bombilla

Auch hier ist mir die Strömung einfach zu heftig und ich gebe die Hoffnung schon auf, heute noch Baden zu können – als ich ein sandiges, etwas ruhigeres Stückchen Strand finde. Wie gut, dass ich präventiv Sarong und Bikini eingepackt habe. Ein Mensch sollte halt nie ohne Sarong aus dem Haus gehen! Immerhin bis über die Knie wate ich ins Meer hinein – bis mir der Atlantik zu heftig wird. Es sind einfach schon zu viele Touristen in den Strömungen des atlantischen Ozeans ertrunken. Ein Trend, den ich nicht mitmachen möchte. Trotzdem patschen die Wellen erfrischend bis fast zu meinen Schultern und damit bin ich völlig glücklich. Dann auf dem warmen, schwarzen Sand ausstrecken, zufrieden seufzen und entspannen. Genau 20 Sekunden lang. Dann fällt mir nämlich ein, dass ich mich sonnencremen sollte. Monika halt, das mit dem still halten üben wir noch.

Baden Playa los Guirres
Sand an den Flossen und das Leben ist gut…

Irgendwann frischt der Wind auf und es ist Zeit, den Heimweg anzutreten. Nachdem ich etwas weniger Bilder mache und entsprechend flott ausschreite, dauert es nur etwa 50 Minuten, bis ich wieder in La Bombilla ankomme. Nichtsdestotrotz ist der Rückweg nicht weniger schön, als der Hinweg:

Playa el Charcón mit Faro de Punta Lava
Playa el Charcón im Abendlicht mit dem Faro de Punta Lava im Hintergrund
Gischt und Sonnenuntergang an der Playa el Charcón
Umnebelt von der Gischt…
Blick auf La Bombilla und Puerto Naos
Blick auf La Bombilla und Puerto Naos ganz im Hintergrund

Abendessen in Puerto Naos

Puerto Naos ist DIE Touri-Hochburg im Westen von La Palma. Und damit meine ich, dass es dort neben etwa 800 Einwohnern sogar ein Hotel gibt. La Palma war nämlich ziemlich schlau und hat aus den Bausünden der anderen kanarischen Inseln gelernt. Entsprechend gibt es kaum Hotels auf der Insel, sie spricht mehr Individualtouristen an. Fakt ist: in Puerto Naos ist die Dichte guter (!) Restaurants besonders dicht. Das nutze ich natürlich aus, denn Strandwandern macht hungrig.

Sonnenuntergang in Puerto Naos
Sonnenuntergang über dem Strand von Puerto Naos

Nach dem Essen bummele ich während der letzten Minuten des Sonnenuntergangs an der Strandpromenade entlang zurück zum Auto. Nichts ist kitschiger, als das Farbenspiel, das die Natur sich manchmal ausdenkt. Und gleichzeitig ist auch wenig so schön!