Wenn nicht jetzt, wann dann? In Bayern herrscht herrlichstes Kaiserwetter: knallblauer Himmel, Sonnenschein und frühlingswarme Temperaturen. In meinen Füßen kribbelt es, es zieht mich raus in die Natur. Genauer gesagt in eine Ecke von Bayern, die sich „Blaues Land“ nennt. Hier, mitten im oberbayerischen Alpenvorland, liegt das Naturschutzgebiet Murnauer Moos. Und es sagt mir, dass es von uns ‒ von Dir und mir ‒ entdeckt werden will. Also auf!

Im Murnauer Moos ist der Name Programm: Es beginnt gleich außerhalb von Murnau und ist das naturbelassenste Moorgebiet im nördlichen Voralpenland. Der Wanderführer hat uns eine leichte Rundwanderung mit etwa 3 Stunden Laufdauer und weniger als 100 Metern Höhendifferenz versprochen. Also genau das, was ich „Spazierwandern“ nenne: entspanntes Laufen wie beim Spazierengehen, während man gleichzeitig die besten Ausblicke und Naturmomente genießen kann. (Man könnte es auch Wandern für Knie-Invaliden und Faule nennen ‒ doch in meinen Ohren klingt Spazierwandern einfach schöner.)

Das Auto parken wir auf dem großen Wanderparkplatz etwas außerhalb von Murnau (<– anbei der Link für Deine Routenplanung). Von hier aus marschieren wir los in Richtung „Natur“ (vor Ort wirst Du sehen, was ich meine) und finden auf Anhieb die Ramsach. An ihrem Bachbett entlang laufend stoßen wir nach wenigen hundert Metern auf ein Brücklein. Dort finden wir auch schon das erste Schild, das den Murnauer-Moos-Rundweg ankündigt ‒ und dem wir den Rest des Nachmittags folgen werden.

Hinweisschild Murnauer-Moos-Rundweg
Hinweisschild auf den Murnauer-Moos-Rundweg (viertes Schild von oben, das mit dem Spazierstock-tragenden Männchen drauf)

Freier Bergblick übers Flachmoor

Nachdem wir die Ramsach erfolgreich überquert haben ‒ das Ding ist immerhin 4 Meter breit ‒ tun sich erst links des Weges und später zu beiden Seiten die riesigen Flächen des Flachmoors auf. Linkerhand überragt das imposante Estergebirge die üppig blühende Moorlandschaft.

Flachmoor im Murnauer Moos: Moorlandschaft im blauen Land mit Bergen im Hintergrund
Die sibirische Schwertlilie und andere seltene Pflanzen schmücken das Flachmoor genau wie unzählige Butterblumen.

Der Weg windet sich zusammen mit der Ramsach durch die Landschaft. Im Hintergrund ruft immer wieder der Kuckuck. Während die Sonne kräftig aufs Moor brennt, säumen Bäume und Sträucher den Wanderweg und spenden angenehmen Halbschatten.

Wanderweg bei Murnau durchs Murnauer Moos

Nach etwa einem Drittel der Wanderung biegt der Murnauer-Moos-Rundweg über eine Brücke ab und verlässt das Flachmoor in Richtung Wald.

Durch den Wald zum Hochmoor

An dieser Stelle steigt der Weg sanft an und führt durch hohe Fichtenwälder…

Waldweg blaues Land

… in das Hochmoor. Nun bekommt die Wanderung einen ganz neuen Charakter: niedrige Bäume und Sträucher prägen die Landschaft, der Boden ist von struppigem, halb-trockenem Gras überwuchert. Passend zum zottigen Bodenbewuchs heißt das Hochmoor übrigens „Lange Filze“. Hindurch führt ein überwiegend stabiler Bohlenweg (kein Vergleich mit dem auf Cayo Zapatillo II in Panama!). Jedoch sind nicht alle der Bohlen fest angeschraubt, also pass auf, wo Du hintrittst. Einer von uns beiden stand nämlich bereits im Morast. Ich verrate Dir jetzt nicht, wer…

Bohlenweg durchs Hochmoor Lange Filze
Bohlenweg Murnauer Moor

Blaues Land: Bayerischer Charme hoch 10

Am Ende des Holzwegs geht es kurz durch ein Wohngebiet, bis wir wenig später diesen herrlich-grünen Panoramablick von der anderen Seite des Blauen Lands aus genießen können.

Blaues Land: Blick über das oberbayerische Voralpenland

Das rechts neben meinem Kopf ist übrigens die „Hohe Kisten“, einer der Gipfel im Estergebirge. Ich mag den Namen total.

Frau vor dem Estergebirge mit der Hohe Kisten

Und dann lässt Bayern so richtig seinen Charme spielen ‒ arg viel bayerischer wird es landschaftlich und tierisch einfach nicht mehr:

Symbolbild Blaues Land Wandern: Murnauer-Moos-Rundweg führt durch Wiesen
Vier Kühe in Bayern auf einer Wiese

Kurz vor Ende der Wanderung liegt ein barockes Schmuckstück: die Kirche St. Georg bei Ramsach steht am nördlichen Rand des Murnauer Moos. Seit dem 14. Jahrhundert thront das „Ramsachkircherl“ über dem blauen Land. Fans des süddeutschen Spätbarock werden von der Deckenmalerei, dem Altarbild und allerlei nackten Baby-Engeln sicherlich entzückt sein.

Außenaufnahme des Ramsachkircherl
Innenraum der Kirche St. Georg bei Ramsach

Ich persönlich kriege jedoch bei Barock- und Rokkoko-Kirchen in der Regel nach wenigen Augenblicken einen überreizten Sehnerv. Auch diesmal bin ich sehr glücklich, als mich draußen wieder der schlichte blaue Himmel empfängt.

Mit den Zehen in den Staffelsee

Murnau ist nur einen Katzensprung entfernt und zudem direkt auf unserem Rückweg nach Augsburg. Was liegt also näher, als die Füße noch ein wenig in den Staffelsee zu hängen. Bei dem fröhlichen Treiben am Ufer sollte kaum meinen, dass aktuell eine weltweite Pandemie herrscht. Irgendwie verrückt, irgendwie verquer…

Staffelsee Murnau
Mit erfrischten Füßen stehe ich im seichten Seewasser und genieße den Ausblick.

Ganz schön viel Lebensqualität haben sie hier im Blauen Land denke ich mir. Nehme mein Telefon in die Hand und suche nach „murnau salsa“. Ja, was soll ich sagen: nix mit Salsa, Bachata, Kizomba tanzen hier. Der Mensch kann wohl nicht alles haben. Also bleibe ich in Augsburg. Erstmal. Und bis das mit dem Reisen nach wo anders wieder klar geht, entdecken wir beide einfach gemeinsam das bayerische Voralpenland mit seinen Bergen und Seen.

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