Fast 5 Tage sind für eine Städtereise echt Luxus. Und so erreichen wir an Tag 4 den Punkt, an dem wir alles Essentielle gesehen haben. Und stehen vor der Frage, für welche Extras wollen wir uns denn jetzt entscheiden?

Ein wahrhaft göttlicher Dachboden

Unsere Wahl fällt auf ein weltweit einzigartiges Stück Amsterdamer Geschichte: Das Museum „Ons’ lieve Heer op Zolder“ (zu Deutsch: „Unser Lieber Herr auf dem Dachboden“) birgt die am besten erhaltendste Dachbodenkirche der Welt. Als der katholische Glaube in Holland als Staatsreligion abgeschafft wurde und katholische Kirchen zu protestantischen umfunktioniert wurden, standen die Katholiken vor der Herausforderung, sich alternative Kirchenlokale zu suchen. Kurzentschlossen lies ein reicher katholischer Kaufmann im 17. Jahrhundert die obersten beiden Stockwerke seines Herrenhauses inklusive Dachboden zur Kirche umfunktionieren. Und was für eine Kirche:

Vom Beichtstuhl über zwei Emporen, Sakristei, Orgel bis zu privaten Räumen für den Pastor passte alles in dieses Haus – in dem natürlich auch der Kaufmann und seine Familie lebten.

Das alternative NDSM-Gelände und Amsterdams Stadtstrand

Nachmittags entscheiden wir uns dafür, am Hauptbahnhof die kostenlose Fähre nach Amsterdam-Noord zu nehmen und die NDSM-Schiffswerft der ehemaligen Niederländischen Schiffbaugesellschaft zu erkunden. Hier ist keine 15 Fährminuten vom Zentrum entfernt ein alternatives Paradies entstanden. Zum einen ist es ein kreatives Paradies: Die ehemalige  NDSM-Lagerhalle ist ein Paradies für Jungkünstler. In der gigantischen ehemaligen Fertigungshalle gibt es ca. 80 kleine Ateliers, Werkstätten und Studios, in denen aufstrebende Kunst-Talente ihre Werke kreieren können: Musikstudios, Holzateliers, Kreativräume für Maler und Couturiers…  

Hier schließe ich auch Freundschaft mit meinem neuen Kumpel, dem roten Pferd.

Außerdem gibt es auf dem Gelände unzählbare Streetart-Kunststücke und so jagen wir ihnen  bei 35 Grad und mehr hinterher.

Nachdem wir so langsam anfangen zu glühen, ist es Zeit für eine Abkühlung. Das alternative Café Pllek bietet neben gechilltem Ambiete und Essen in Bio-Qualität auch – einen Strand! Was will frau mehr bei diesen Temperaturen?

Und so gibt es erst etwas zu Essen (Falafel und ein Brot mit Hummus und Grillgemüse)…

… und danach, bevor wir uns in den Schatten legen, einen Abstecher in die kühle Ij (spricht man: Eyyyy). Ich bin fast überzeugt davon, dass es „zisch“ macht, als ich die Leiter zum Wasser runtersteige. Das wird allerdings von Papas wenig dezenter Arschbombe und den folgenden Quietsch-Reaktionen der Umstehenden übertönt.

Bei einem Weinchen und Bierchen lässt es sich hier wirklich entspannt aushalten. Prost!

Das Nordufer vibriert voller künstlerischer Energie, verrückten und spannenden Projekten (die drei Boxen oben in diesem Kran sind bewohnbar!!) und alternativer Lebensfreude. Und wir lassen unseren letzten Abend hier mit Blick übers Wasser völlig entspannt ausklingen…

Ps: Das Abendessen im Café Norderlicht produziert meinen ersten veganen Burger, der absolut hervorragend ist: Ich sage nur „Austernpilze“! Und für Papa gibt es ein indonesisches Rendang = eine Art Curry aus Kohl mit Austernpilzen. Joa, kann man schon mal machen.